Neues Leben entsteht

Was geschieht im weiblichen und männlichen Körper, damit eine Schwangerschaft entsteht ? Die Entwicklung einer Schwangerschaft ist ein sehr komplizierter Vorgang…

Viele Paare setzen sich zum ersten Mal mit dem Thema „Befruchtung“ auseinander, wenn sie sich ein Kind wünschen. Die komplizierten Vorgänge im Körper kennen sie häufig nicht. Dieses Verständnis ist jedoch wichtig, wenn man sich fragt, warum nicht jeder Geschlechtsverkehr zu einer Schwangerschaft und auch nicht jede Behandlung sofort zum Erfolg führen. Manchem kann dieses Wissen aber auch die Sorgen nehmen, wenn es nicht sofort klappt.

Die Eizelle der Frau

„Alles Leben entsteht aus der Eizelle“.

Dies wurde schon vor über 300 Jahren richtig vermutet.

Alle Eizellen (Oozyten) werden beim Mädchen bereits vor der Geburt in den beiden Eierstöcken (Ovarien) angelegt. Ab der Pubertät reift circa einmal im Monat (Zyklus) eine Eizelle zur Befruchtungsfähigkeit heran. Gleichzeitig baut sich in der Gebärmutter (Uterus) eine dicke Schleimhaut auf, welche bei ausbleibender Schwangerschaft monatlich wieder abgestoßen wird (Regelblutung).

Die Ausreifung einzelner Eizellen wird durch Geschlechtshormone gesteuert. Diese Hormone unterliegen im Zyklusverlauf typischen zeitlichen Konzentrationsschwankungen im Blut. Etwa 10-20 Tage nach der letzten Regelblutung erfolgt der Eisprung (Ovulation). Die Eizelle wird erst während des Eisprunges für etwa 24 Stunden befruchtungsfähig. Sie befindet sich dann normalerweise in einem der beiden Eileiter. Obwohl in den Eierstöcken zahlreiche Eizellen angelegt sind, erreichen die meisten Eizellen einer Frau nie den befruchtungsfähigen Zustand. Pro Zyklus wird normalerweise immer nur eine Eizelle reif für die Befruchtung, obwohl mehrere Eizellen zunächst zeitgleich mit der Ausreifung beginnen.

Frauen erleben ihre fruchtbarsten Lebensjahre etwa im Alter zwischen 16 und 28. Anders als bei Männern, deren Samenzellen lebenslang immer neu entstehen, nimmt bei Frauen der Vorrat an Eizellen ab der Pubertät ständig ab. Gleichzeitig verringert sich auch die Qualität der Eizellen. Über Jahrzehnte gealterte Eizellen führen zu einer Verminderung der Schwangerschaftschancen und zugleich zum Anstieg der Fehlgeburtswahrscheinlichkeit. Zwischen 40 und 50 versiegt die Eizellreifung dann völlig (Menopause).

Die Samenzelle des Mannes

Die Samenzelle (Spermatozyte) ist eine kleine, sehr bewegliche Zelle. Sie transportiert die väterliche Erbinformation (Gene) zur Eizelle. Im Gegensatz zu den Eizellen werden Samenzellen ab der Pubertät ständig neu gebildet. Die komplette Samenzellreifung dauert etwa drei Monate. Wesentlich für die Funktion ist die Beweglichkeit der Samenzellen, damit die weit entfernte Eizelle im Eileiter erreicht und befruchtet werden kann.

Die Samenreifung ist sehr temperaturempfindlich, daher sind die Hoden außerhalb der Bauchhöhle gelagert.
Während ihrer Reifung durchwandern die Samenzellen ein langes Gangsystem, bis sie schließlich durch den Penis nach draußen gelangen. Die Freisetzung der Samen erfolgt bei dem Samenerguss (Ejakulation) zusammen mit schützenden Sekreten der Geschlechtsdrüsen (z.B. Prostata).

Erst im weiblichen Körper werden die Samenzellen schließlich voll befruchtungsfähig.

Die Befruchtung

befruchtete Eizelle

Wenn die reife Eizelle und die Samenzelle zum richtigen Zeitpunkt im Monatszyklus im Eileiter aufeinander treffen, kann es zur Befruchtung kommen. Dafür muss als erster Schritt die Samenzelle die Hülle der Eizelle ganz durchdringen und im Innern der Eizelle die sogenannte Befruchtungskaskade auslösen.

Mit der Vereinigung von väterlichem und mütterlichem Genmaterial in der Eizelle wird die Befruchtung schließlich erfolgreich abgeschlossen. In den folgenden Stunden setzen sogleich die ersten Zellteilungen ein. Während dieser Zellteilungen wandert die befruchtete Eizelle im Eileiter in Richtung Gebärmutterhöhle. Wenn die Eileiter optimal funktionsfähig und durchgängig sind, gelangt der Embryo im richtigen Entwicklungsstadium (Blastozyste) in die Gebärmutterhöhle und kann sich dort einnisten, was dann zu einer Schwangerschaft führen kann.

Einnistung und Schwangerschaft

Etwa fünf bis sechs Tage nach der Befruchtung erreicht der Embryo die Gebärmutterhöhle. Dort muss sich zuvor unter dem Einfluss der weiblichen Geschlechtshormone ein optimales „Bett“ für die Einnistung ausgebildet haben. Falls die Ausbildung dieser Gebärmutterschleimhaut gestört ist oder ausbleibt, kann eine Einnistung (Implantation) nicht erfolgreich stattfinden.

Wenn die Blastozyste eine geeignete Stelle zur Einnistung gefunden hat, beginnt die weitere Entwicklung des Embryos in der Gebärmutter. Damit die embryonalen Zellen Verbindung mit den mütterlichen Zellen aufnehmen können, muss zuvor die Eihülle (Zona pellucida) eröffnet und verlassen werden („schlüpfen“; engl.: „hatching“).

Verläuft die Einnistung erfolgreich, kann bereits nach 12-14 Tagen das Hormon ß-HCG im Blut der Mutter nachgewiesen werden.

Die ersten drei Monate der etwa neunmonatigen Schwangerschaft sind wesentlich. In dieser Zeit werden alle wichtigen Organe angelegt und ausgebildet. Der frühe Embryo ist während dieser Zeit sehr empfindlich für Gifte (z.B. Alkohol, Nikotin), Infektionen und Mangelversorgungen aller Art. Schädigungen oder Störungen bei der Anlage wichtiger Organe führen zu schweren Entwicklungsstörungen oder gar zur Fehlgeburt (Abort). Mit zunehmendem Alter der werdenden Mutter (etwa ab dem 35. Lebensjahr) nimmt leider auch die Fehlgeburtswahrscheinlichkeit immer mehr zu.

Die Geburt

Mutter mit Baby

Die folgenden restlichen Monate einer Schwangerschaft sind wichtig für die vollständige Ausreifung des entstehenden Babys. Das Baby wächst und die Organe reifen heran. In der fortgeschrittenen Schwangerschaft werden fast alle Organe des Kindes bereits in der Gebärmutter funktionsfähig. Frühgeburten sind circa ab der 24. Schwangerschaftswoche lebensfähig, so früh allerdings mit vielfältigen Einschränkungen und Belastungen der kindlichen Gesundheit.

Beim Menschen ist die Einlingsgeburt die Regel, nur selten kommt es zur Zwillingsgeburt.

 

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